Sichtschutz (Prunus laurocerasus), 2025
In Zusammenarbeit mit Benedikt Meixl
Die Hecke prägt seit Jahrhunderten die Landschaft – als Grenze, als vielfältiger Lebensraum für Tiere, als Windfang, als ökologische Nische. Im Laufe der Zeit wandelte sich ihre Funktion: Von einem multifunktionalen, lebendigen Element der Kulturlandschaft zu einem zunehmend eindimensionalen, dekorativen Trennelement im privaten Garten. Heute dient sie vor allem einem Zweck: der Abgrenzung. Ihre ökologische und kulturelle Bedeutung scheint im Zuge der Flurbereinigung und Modernisierung der Landwirtschaft zunehmend verloren gegangen zu sein. Die einst lebendige Grenze und Übergangszone wurde zur statischen Kulisse.
Der Paravent stammt aus dem Innenraum. Ursprünglich ein Windschutz (paravent = gegen den Wind) entwickelte er sich zum filigranen Raumteiler, zum mobilen Sichtschutz in bürgerlichen Salons.
In der Arbeit wird die Hecke – konkret der Kirschlorbeer (𝘗𝘳𝘶𝘯𝘶𝘴 𝘭𝘢𝘶𝘳𝘰𝘤𝘦𝘳𝘢𝘴𝘶𝘴), eine invasive, immergrüne und pflegeleichte Pflanze – in die Innenraumlogik übersetzt. Als standardisiertes Gartenelement erfüllt die Kirschlorbeer den Zweck, Nachbarn auszublenden, Ordnung zu schaffen und Privateigentum zu markieren. Im Innenraum inszeniert, erscheint die Hecke als mobiles Trennelement. Ein Element des Gartens, das sich verhält wie Mobiliar: aufstellbar, verschiebbar, verfügbar. Ein Objekt, das Sichtschutz verspricht, unabhängig von Ort oder natürlichem Wachstum. Die ehemals lebendige, landschaftlich eingebettete Hecke wird zur Requisite – zum Möbelstück, das man dorthin stellt, wo man es gerade braucht.
Sichtschutz (𝘗𝘳𝘶𝘯𝘶𝘴 𝘭𝘢𝘶𝘳𝘰𝘤𝘦𝘳𝘢𝘴𝘶𝘴) ist ein Objekt, das diese Bedeutungsverschiebung, Vereinfachung und die stille Umwandlung von Draußen in ein Drinnen – und umgekehrt – verkörpert. Was passiert, wenn ein ursprünglich vielschichtiges, mehrdimensionales Element eindimensional wird? Wenn es sich nahtlos in die Logik von Gestaltung, Kontrolle und Verfügbarkeit einfügt? Und was sagt das über unser gegenwärtiges Verhältnis zu Natur und Landschaft aus?
Ausstellungsansichten: Sichtschutz (Prunus laurocerasus), 2025
162cm x 166 cm
Sperrholz, Textildruck auf Chiffon
Böse Räuber:Innen (Gruppenausstellung), ehem. Galerie Trapp Salzburg
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